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Die gute Patientenaufklärung

Über das Kommunizieren hast Du ja schon im letzten Artikel etwas gelesen. Jetzt kommen wir zur Kür! Die Aufklärung! Bei den meisten Kunstfehlern, die auch tatsächlich nachgewiesen wurden, war der ausschlaggebende Fehler eine mangelhafte Aufklärung. Man müsste sich eigentlich wundern, dass im Krankenhaus die Aufklärung häufig von den Assistenzärzten gemacht wird, der Eingriff dann aber von dem Ober- oder Chefarzt erfolgt. Da besteht also offensichtlich ein großes Vertrauen in die jungen Kollegen! Damit Du dort nicht enttäuschst, hier ein paar Ratschläge, wie Du richtig aufklärst. Verstehe diese Tipps bitte nur als Hilfe. Es ist keine juristische Beratung!

1. Den Eingriff kennen

Du kannst nur erklären, was Du auch selber verstanden hast! Deshalb informiere Dich vorher, wie dieser Eingriff in dieser Klinik gemacht wird. Da gibt es selbst bei einer so einfachen Sache wie der Appendektomie große Unterschied von Abteilung zu Abteilung. Das Beste ist natürlich, Du hast diesen Eingriff schon einmal selbst gemacht oder zumindest dabei assistiert.

2. Die Komplikationen schildern

Neben dem Eingriff selbst musst Du auch auf die möglichen Komplikationen eingehen. Dabei gibt es häufige und allgemeine Komplikationen, die bei jedem Eingriff entstehen können (Verletzung von Nachbarorganen, Wundinfektionen, Thrombose und Embolie). Du musst aber auch auf die seltenen und eingriffstypischen Komplikationen eingehen, vor allem wenn diese mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden sind. Für diese Aufklärungen gibt es in jeder Klinik typische Aufklärungsbögen. Hier kannst Du lesen, welche Komplikationen auftreten können. Da Du Dich aber nicht darauf verlassen kannst, dass hier auch alle Komplikationen erwähnt werden, solltest Du schließlich auch noch mit einem erfahrenen Kollegen oder dem Operateur besprechen, worüber Du aufklären sollst. Trotz aller Komplikationen sollst Du den Patienten natürlich nicht verunsichern. Versuche objektiv zu schildern, was auftreten kann und vor allem wie Ihr dann damit umgeht, also welche Revisionseingriffe sich noch ergeben können.

3. Individuell aufklären

Jede OP ist anders und so sollte sich auch jede Aufklärung an die Umstände und den Patienten anpassen. Die genannten Aufklärungsbögen sind eine gute Hilfe. Es reicht aber nicht, alles vorzulesen und dann den Patienten unterschreiben zu lassen. Der Bogen dient nur der Dokumentation Deiner Aufklärung und deshalb sollte er auch ganz individuell ausgefüllt sein. Das heißt, Du musst stichpunktartig am Ende des Bogens noch einmal die wichtigsten Dinge aufschreiben, die Du erklärt hast, oder bei denen der Patient nachgefragt hat, auch wenn diese bereits in dem Bogen zu lesen sind. Besonders „individuell“ wird es, wenn Du anhand der aufgedruckten Bilder das Verfahren erläuterst und dabei zusätzliche Anmerkungen und Zeichnungen anfertigst. Das hilft zum einen auch einem Laien zu erklären, wo beispielsweise geschnitten wird und zeigt zum anderen, dass Du Dich bemüht hast dies zu erklären.

„Aufklaerungsboegen“
„Aufklärungsbögen sind praktisch, reichen alleine aber nicht aus!“

4. Die Alternativen schildern

Zu jedem Eingriff gibt es eine alternative konservative Therapie oder die Möglichkeit auch mal gar nichts zu machen. Auch über diese Alternativen musst Du aufklären und erklären, warum Ihr den entsprechenden Eingriff durchführen wollt. Also musst Du erklären, was passiert, wenn Ihr nichts macht oder konservativ therapiert. Dabei musst Du auch erwähnen, dass diese oder jene Therapie auch zum Tode führen kann oder die zu behandelnden Beschwerden auch mal trotz Operation bleiben können.

5. Die Entscheidung trifft der Patient

Ich stelle am Ende der Aufklärung immer drei Fragen, die der Patient mit ja beantworten muss, damit die Aufklärung abgeschlossen werden kann:

  1. Haben Sie alles verstanden?
  2. Fühlen Sie sich gut informiert?
  3. Sind Sie einverstanden, dass wir den Eingriff durchführen?

Spätestens bei der dritten Frage sagen dann viele: „Ja, muss ich doch?“ Und genau das ist falsch. Es muss gar keiner damit einverstanden sein, wenn er es nicht verstanden hat, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Er muss aber verstehen, dass der Eingriff aus gewissen Gründen die beste Lösung ist und Ihr daher die Operation empfehlt. Die Entscheidung für oder gegen die OP muss dann der Patient treffen. Das heißt, Du musst ihn in die Lage versetzen, diese Entscheidung am Ende des Gesprächs treffen zu können. Und zwar nur am Ende des Gesprächs, wenn er mit seiner Unterschrift zustimmt. Es verlangt keiner, dass er alles noch am nächsten Tag beispielsweise seinen Angehörigen erklären kann. Es gibt sogar Untersuchungen, die besagen, dass über 50 % der Informationen schon nach 30 Minuten vergessen werden. Und daher ist es so wichtig, dass Du alles, was Du erklärst, auch entsprechend dokumentierst.

Viel Erfolg wünscht Dir

Dein Dr. Felix Findig