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Du bist ein Placebo!

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Das Vertrauen der Patienten in die Medizin (und damit in die Medizinmänner und -frauen) hat in den letzten Jahren zugenommen! Trotz aller schlechten Berichte über Kunstfehler etc. glauben die Menschen an die heilende Wirkung der Behandlung.

Ein Indiz dafür ist der sogenannte Placeboeffekt. Damit wird die heilende Kraft einer nachgewiesenermaßen völlig sinnlosen Therapie bezeichnet. Verantwortlich dafür ist einzig und alleine der Glaube des Patienten an die Therapie bzw. den Therapeuten. Jede gute Therapie muss also besser sein als der Placeboeffekt, um nachzuweisen, dass sie eine heilende Wirkung hat. Und das wird für die Pharmaindustrie zum Beispiel von Jahr zu Jahr schwieriger, denn der Placeboeffekt nimmt immer mehr zu. Das heißt die Patienten schreiben immer häufiger einer Therapie bzw. einem Therapeuten eine heilende Wirkung zu, auch wenn diese gar nicht besteht.

Und das ist eine gute Nachricht für Dich. Es bedeutet nämlich, dass Du es immer leichter hast, zu heilen, selbst wenn die eingesetzten Mittel dies gar nicht leisten können. Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass Medizin eine wahre Kunst ist und Du kannst ein echter Künstler werden. Du musst es nur schaffen, das Gefühl zu vermitteln, dass Deine Therapie genau die richtige ist. Dazu gehört ein selbstbewusstes und selbstsicheres Auftreten und gleichzeitig ein offenes Ohr für den Patienten, damit Du sein Vertrauen gewinnst.

Ich gehe ja mal davon aus, dass Du nur Mittel einsetzt, von denen Du auch überzeugt bist, dass sie Deinem Patienten helfen werden. Und hier bist Du dann sogar ein entscheidender Faktor, damit diese Mittel auch wirken. In einer Studie hat man mal verglichen, ob es einen Unterschied gibt, ob ein Schmerzmittel von einem Computer ausgegeben wird oder ob dieses dem Patienten von einem Arzt verabreicht wird. 66 % der Patienten, die von dem Arzt betreut wurden, gaben eine Schmerzlinderung an. In der Vergleichsgruppe waren es nur 15 %. Hier siehst Du also, wie wichtig Du bei der Therapie bist.

Vielleicht hast Du ja auch einen guten Chef- oder Oberarzt, bei dem Du dies lernen kannst. Ob dieser ein gutes Vorbild ist, siehst Du schon daran, inwieweit er oder sie von den Pflegekräften geschätzt oder sogar bewundert wird. Denn die merken meist am schnellsten, ob ein Arzt eine heilende Wirkung hat. Beobachte, wie diese Kollegen mit Ihren Patienten umgehen und finde dann Deine eigene Interpretation.

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Und wenn Du nur schlechte Vorbilder hast, dann setze einfach Deinen gesunden Menschenverstand ein und zeige allen, wie man es besser macht, denn ein schlechter bzw. nicht einfühlsamer Umgang mit dem Patienten kann auch zu einem Versagen der Therapie führen!

Viel Erfolg wünscht Dir

Dein Dr. Felix Findig

Noceboeffekt

PS: Es gibt übrigens auch das Gegenteil des Placeboeffekts! Dann spricht man von dem Noceboeffekt. Ein Patient kann sich nämlich auch einbilden, dass eine Therapie schlecht für Ihn ist und ihm schadet, wenn der Therapeut ihm dieses Gefühl vermittelt. So beklagen Patienten beispielsweise dreimal mehr Nebenwirkungen, wenn der Arzt ihm diese vor der Therapie alle genannt hat. Außerdem geben sie doppelt so viele Nebenwirkungen an, wenn man ihnen eine Liste von Nebenwirkungen präsentiert und daraus auswählen lässt, welche Nebenwirkungen wohl spürbar sind. Man kann Patienten also auch "zu genau" aufklären bzw. dabei den Nebenwirkungen ein zu großes Gewicht beimessen. Dies zu vermeiden kann aber auch schwer sein, wenn man bedenkt, dass prinzipiell bei jeder Therapie auch eine Aufklärungspflicht besteht. Vielleicht helfen Dir dabei auch meine Tipps für eine gute Aufklärung dabei. Ansonsten kann ich dir raten, einfach Dein Einfühlungsvermögen einzusetzen und Zuversicht in die Therapie zu versprühen!