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Die häufigsten Lügen im Krankenhaus

Wenn ich die Situation mit einem Patienten etwas auflockern will, dann erzähle ich ihm immer, was die häufigsten Lügen im Krankenhaus sind. Das ist zum einen amüsant, kann Dir auf der anderen Seite aber zeigen, was Du besser vermeiden solltest, nämlich genau diese Lügen:

1. Das tut gar nicht weh!

Die mit Abstand häufigste Lüge und gleichzeitig auch die offensichtlichste, denn jeder Patient erfährt am eigenen Leib, ob die Aussage stimmt oder nicht. Insbesondere bei Kindern kann man so sehr schnell das Vertrauen verlieren. Wenn also eine Unter- suchung zumindest „unangenehm“ ist, dann sollte man dies dem Patienten auch vorher genau erklären. Das heißt nicht, dass man Angst machen soll, aber man sollte mit offenen Karten spielen.

Besonders schmerzhaft sind beispielsweise lokale Betäubungen, obwohl sie ja eigentlich den Schmerz nehmen sollen. Das tun sie ja auch, doch am Anfang erzeugt das Lokal- anästhetikum erst einmal ein starkes Brennen und Druckgefühl, wenn es injiziert wird. Ein ganz übler Vertreter ist die „Oberstsche Leitungsanästhesie“ bei der man einen kom- pletten Finger betäubt. Hier muss man den Patienten und den Eltern vorher sagen, dass das am Anfang wirklich „höllisch“ weh tun kann, dass der Finger dann aber einschläft und alles weitere nicht mehr schmerzen wird. Häufig glauben die Kinder das aber danach nicht mehr und man hat richtig Mühe, wieder an den Finger zu kommen. In solchen Situationen kann man das Kind auch mal auffordern selbst zu gucken, ob z. B. die Schnittwunde an der Fingerspitze noch schmerzt, wenn es diese berührt. Und noch ein Hinweis. Es wird meistens nur das Schmerzempfinden betäubt. Das Gefühl für Berührungen bleibt häufig erhalten, so dass der Patient zwar noch merkt, dass man an ihm „arbeitet“, aber es keine Schmerzen bereitet. Auch das sollte man dem Patienten vorher erklären, damit er die Empfindungen einordnen kann, denn viele sind verunsichert, wenn sie spüren, dass sie noch etwas spüren.

2. Das haben wir schon tausendmal gemacht!

Das ist eine Lüge, die die wenigsten Patienten nachprüfen können. Wenn man dann besonders viel Vertrauen aufbauen will kann man noch

ergänzen: „Irgendwann muss es ja mal klappen!“ Aber Scherz beiseite. Viele Patienten fragen mittlerweile, wie oft ein Eingriff in der Klinik im Jahr durchgeführt wird und es ist zu empfehlen, ein paar Zahlen seiner Klinik zu kennen. Da Du wahrscheinlich noch nicht von Dir behaupten kannst, dass Du einen Eingriff schon tausendmal gemacht hast, es vielleicht sogar das erste Mal ist, dass Du diesen durchführst, kannst Du schon in die Verlegenheit kommen, dies zu erklären. Ich kann Dir nur die Flucht nach vorne empfehlen. Wenn Du Dich also Deinem Patienten vorstellst, den Du operieren wirst, dann habe ich immer Folgendes gesagt: „Guten Tag, ich bin Dr. Findig und ich werde heute gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Meier Ihre Gallenblase operieren.“ Das ist nicht gelogen und der Patient weiß, dass Du den Eingriff nicht alleine durchführen wirst. Ich wurde noch nie gefragt, wie oft ich das schon operiert hätte. Ein selbstbewusstes Auftreten vermittelt dem Patienten ebenfalls ein Gefühl von Sicherheit.

3. Die Schwester kommt sofort!

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„Sofort“ kann ein sehr dehnbarer Begriff sein!

Alternativ kann es auch heißen: „Der Arzt kommt sofort!“ Beide Aussagen werden gerne mal gemacht, damit man wieder Ruhe hat, wenn ein Patient beispielsweise beim Essen Hilfe oder ein Schmerzmittel braucht. Hier kann ich nur empfehlen, diese Versprechen nicht leichtfertig abzugeben, damit man das Vertrauen des Patienten nicht missbraucht. Auch solltest Du dafür sorgen, dass die Schwester wirklich schnellstmöglich zum Patienten geht oder den Patienten informieren, falls es noch etwas länger dauert, weil es beispielsweise einen Notfall gibt.

Bleib also ehrlich!

Dein Dr. Felix Findig