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Burn-Out vermeiden!

Machen wir uns nichts vor: Bei aller Liebe zu unserem Beruf und den Patienten, die Arbeit kann auch mal sehr belastend sein. Wenn trotz allem Einsatz die Krankheit oder gar der Tod gewinnt. Oder wenn man das Gefühl hat, man habe etwas übersehen, und und und...
Doch wir können auch nicht anders. Schließlich möchte jeder von uns helfen und vergisst dabei, dass er selbst auch nur ein Mensch ist. Es ist schon paradox, wie sich einige Kollegen krank arbeiten und gleichzeitig ihren Patienten empfehlen, Sie sollten sich mal schonen. Ich selbst bin schon mal trotz Krankheit zur Arbeit gekommen, weil sich keiner fand, der meinen Dienst übernehmen konnte, und habe dann einen Patienten nach dem anderen „krankgeschrieben“. Andere Berufsgruppen würden sich wahrscheinlich fragen, ob wir noch ganz gesund sind...

Und das sind wir dann auch gar nicht, denn wir selbst haben bereits einen Krankheitsbegriff dafür geschaffen, wenn der Stress einen krank macht.
Dann spricht man vom „Burn-Out-Syndrom“ und meint das Gefühl im wahrsten Sinne des Wortes „ausgebrannt“ zu sein, weil man sich „überarbeitet“ hat. Es entsteht dann, wenn der negative Stress bei der Arbeit überwiegt und man das Gefühl hat nicht zu genügen.

Jetzt sollte hier eigentlich ein Psychiater oder Psychologe Dir erzählen, wie Du Dich davor schützen kannst, aber es gibt ja bekanntlich nichts, was ein Chirurg nicht auch erklären kann! Und dabei bin ich ja vielleicht etwas direkter und pragmatischer... Aber ich bin auch ehrlich. All das, was ich Dir jetzt erzähle und mir gut geholfen hat, habe ich auch von anderen erfahrenen Kollegen oder in der Literatur gelernt, aber eben selbst erprobt. Dabei habe ich mir ein paar einfache Ratschläge gemerkt, die mir immer sehr geholfen haben.

1. Der wichtigste Patient bist Du selbst!

Klingt komisch, ist aber so! Auch Du bist ein Patient, das heißt ein Mensch. Und wie jeder Mensch musst Du schlafen, essen und trinken. Und wenn Du mal wieder von 8:00 bis 16:00 Uhr in der Notaufnahme stehst, der Strom an Patienten nicht nachlässt und Dir der Magen knurrt, weil Du noch keine Pause nehmen konntest, dann nimmst Du Dir eben eine.
Wahrscheinlich haben sich die Schwestern in der Zeit schon dreimal abgewechselt, doch Deine Ablösung lässt noch auf sich warten.

Essen nicht vergessen!

Ich habe es selbst erlebt. Manchmal kommt man vor lauter Arbeit gar nicht dazu eine Pause zu machen und man spürt nicht einmal ein Hungergefühl. Dann ist es Zeit, sich eine Auszeit zu nehmen um etwas zu essen oder zu trinken. Selbstverständlich nicht dann, wenn gerade ein Schwerverletzter angekommen ist oder ein Kind vor Schmerzen im Wartezimmer schreit. Doch die Patienten, die nur zur Kontrolle oder wegen anderer „Kleinigkeiten“ zu Dir kommen, müssen dann halt mal 10 Minuten länger warten, damit Du ein Brötchen essen kannst.

Mal kurz abzuschalten und die Batterien aufzuladen hilft auch, damit Du danach wieder voll konzentriert weiterarbeiten kannst und dabei holst Du die 10 Minuten schnell wieder auf. Außerdem bist Du dann wahrscheinlich auch viel freundlicher und hörst den Patienten viel aufmerksamer zu, so wie die es von Dir erwarten.
Eine kurze Pause hilft also beiden Seiten!

2. Nimm Dich nicht zu wichtig!

Was jetzt wie ein Widerspruch zum ersten Ratschlag aussieht, ist gar keiner. Damit meine ich, dass Du nicht anfangen sollst zu glauben, dass ohne Dich gar nichts funktioniert. Wenn man erstmal ein bisschen Erfahrungen gesammelt hat und sicher in seiner Arbeit geworden ist, dann fängt man leicht an zu glauben, dass nur man selbst es schafft, dass der Laden hier läuft. Nimm Dich hier etwas zurück. Du wirst erstaunt sein.
Auch wenn Du mal eine Nacht oder ein Wochenende nicht da bist, steht Dein Krankenhaus noch und die Patienten leben auch noch alle. Ich kenne ja auch das Gefühl, dass man gewisse Dinge lieber selbst macht, als Sie abzugeben, doch es ist unumgänglich. Selbstverständlich sollst Du nicht um Punkt 16:00 Uhr alles stehen und liegen lassen, doch wenn Du eine gute Übergabe an den diensthabenden Kollegen gemacht hast, dann kannst Du Dir sicher sein, dass Deine Patienten gut betreut werden.
Klar freut sich der Kollege auch, wenn Du Ihm in der Übergabezeit noch das eine oder andere abnimmst, aber schließlich kommt er frisch ausgeruht zur Arbeit und soll sich ja auch nicht langweilen, oder? Es ist ein Geben und Nehmen. Und wenn Du dann mal die Ablösung bist, dann sei auch selbst so fair und nimm den Kollegen die Arbeit ab und schick Sie nach Hause. Dann haben Du und Deine Kollegen es nämlich auch viel einfacher, ihren Beruf mit ihrem Privatleben und der Familie zu vereinbaren, was nachweislich einen großen Schutz vor „Burn-Out“ darstellt.

Du kannst den Ratschlag auch so verstehen, dass Du Deinen Beruf „Arzt“ nicht zu wichtig nehmen solltest, denn es gibt noch so viel anderes, wofür Deine Zeit kostbar ist und woher Du die Kraft schöpfen kannst, die Du wiederum für Deine Arbeit brauchst.

Urlaubsplan
"Und vergiss nicht Deinen Urlaub zu nehmen!"

3. Gemeinsam sind wir stark!

Oh Mann, gleich schreibe ich wohl noch: „Dabei sein ist alles“...

Aber auch ohne diesen ganzen Pathos steckt in dem dritten Ratschlag eine zentrale Aussage. Mehrere Studien haben nämlich festgestellt, dass man seltener unter „Burn-Out“ leidet, wenn man mit dem Arbeitsplatz und der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen zufrieden ist. Einfach gesagt, wenn man Spaß an der Arbeit hat, dann macht einem der Stress nichts aus.

grillen unter Kollegen

Das habe ich selbst erfahren. Ich hatte mal einen superguten Chefarzt, der regelmäßig, aber meistens spontan, zum Grillen oder sonstigen gemeinsamen Aktivitäten eingeladen hat. Da hat man sich mit seinen Kollegen mal in ganz anderer Umgebung getroffen und viel Spaß gehabt oder konnte sich mal näher kennen lernen.
Das hat so ein gutes Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugt, dass es uns überhaupt nichts ausgemacht hat, dass wir häufig erst um 20:00 Uhr aus der Klinik kamen. Zwar haben wir es erst im Februar geschafft, eine Weihnachtsfeier zu organisieren, aber die spontanen Abende waren meist die besten. So hat man auch seine Vorgesetzten ganz anders kennen- und schätzengelernt. Und wer sagt eigentlich, dass so etwas unbedingt vom Chefarzt ausgehen muss? Du kannst ja selbst mal ein Assistententreffen anregen oder einen Stationsstammtisch ins Leben rufen.
Klingt besser als „Balint-Gruppe“, und wirkt auch viel besser und nachhaltiger.

Meine nichtmedizinischen Freunde haben sich immer darüber aufgeregt, dass wir Ärzte angeblich nur über die Arbeit sprechen würden, wenn wir uns mal privat treffen. Zum einen stimmt das nur zur Hälfte und zum anderen liegt das aber auch an der Art unserer Arbeitsweise im Krankenhaus.

Während die Pflegekräfte gemeinsam frühstücken und dann noch eine ausgiebige Übergabe machen, in der jeder sein Leid mit den Patienten beklagen kann, arbeiten wir Ärzte zumeist alleine auf der Station. Man sieht seine anderen Kollegen dann auch nur zur Nachmittagsbesprechung oder während der OP und dann trifft man sich ja auch nur, um sich über die Probleme der Patienten und nicht über die eigenen auszutauschen. Deshalb sind Treffen, in denen es um uns geht, auch so wichtig! Ich weiß aber leider auch, dass es die Umstände und Hierarchien in einigen Kliniken nicht gerade leicht machen, ein schlechtes Betriebsklima zu verbessern.
Doch ein Versuch ist es in jedem Fall wert. Du wirst zwar Deinen Chefarzt nicht ändern können, aber gemeinsam mit den anderen Kollegen darüber lästern. Das hilft dann sogar Deinem Chefarzt, auch wenn dieser es vielleicht etwas anders sieht...

4. Helft euch gegenseitig!

Und wenn das alles nicht reicht und Dir ein Kollege auffällt, der offensichtlich „ausgebrannt“ ist oder sich überarbeitet, dann müssen wir uns auch gegenseitig helfen.
Sorge selbst dafür, dass in Deiner Abteilung Überlastung nicht bagatellisiert oder gar heroisiert wird. Lobe Kollegen für ihre Arbeit und zeige, dass sie gebraucht werden und Teil des Teams sind.
Hilf ihnen, dass sie die Grenzen des Ärztlichen Handelns erkennen. Pass aber auf, dass Du nicht das Gefühl vermittelst, die Kollegen seien überflüssig. Vermeide Äußerungen wie: „Wir schaffen das schon ohne Dich!“ Auch wenn es gut gemeint ist, verstärkt es nur das Gefühl des Betroffenen, er würde nicht genügen.

Pass auf Dich (und Deine Kollegen) auf!

Dein Dr. Felix Findig


PS:
Und um es nochmal genau zu sagen: „Burn-Out ist eine Krankheit!“ Und daher bedarf diese auch einer Therapie, wenn sie ausbricht. Auch bei Dir. Meine Ratschläge sollen Dir nur helfen, damit Du von Anfang an vermeiden kannst dich „anzustecken“. Doch wenn Du selbst Symptome feststellst oder Dir Kollegen auffallen, die offensichtlich leiden, dann hilft auch der Ratschlag eines Chirurgen nicht weiter. Hier ist professionelle Hilfe gefragt!
Prinzipiell ist dabei jede Klinik für Psychiatrie oder Psychosomatik der richtige Ansprechpartner. Eine kleine Auswahl an „Burn-Out-Kliniken“, die sicherlich nicht komplett ist, habe ich außerdem hier für Dich zusammengestellt.

www.caduceus.de

www.gezeitenhaus.de

www.heiligenfeld.org

www.oberbergklinik.de

www.privatklinik-zwischenahn.de

www.systelios.de


PPS:
Wenn Du noch mehr zu diesem Thema erfahren willst, dann findest Du weitere Informationen und Hilfe unter folgenden Links:

Webseite mit vielen Tipps und Links rund um „Deine Gesundheit“!
www.aerztegesundheit.de

Selbsthilfegruppe für kranke Ärzte, die sich auch überregional treffen.
www.der-kranke-arzt.de

Kurse für Burn-Out-gefährdete Kollegen und ihr Partner.
www.be-yourself-beziehungstherapie.com