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Konsile richtig anfordern

Wenn Du mal nicht weiter weißt, weil der Patient ein Krankheitsbild hat, dass von Fachärzten aus einem anderen Gebiet behandelt werden muss, dann bittest Du Kollegen aus einer anderen Klinik um Rat. Diese patientenbezogene Beratung nennt man „Konsil“. Es dient dazu, die richtige Behandlung für einen Patienten zu finden, oder auch als Einleitung für eine mögliche Verlegung des Patienten in einen anderen Fachbereich. Deshalb werden Konsile manchmal auch missverstanden als Möglichkeit, einen Patienten los zu werden. Sie dienen jedoch vielmehr dazu, schnellstmöglich den richtigen Behandlungsweg einzuschlagen, damit der Patient auch schnellstmöglich geheilt werden kann. Dies ist im Sinne aller, denn je schneller eine Heilung ist, umso schneller kann der Patient auch das Krankenhaus wieder verlassen. Wenn ein Patient ohne die adäquate Behandlung erst ein paar Tage in der falschen Abteilung liegt, ist auch dem Krankenhaus nicht geholfen, da es ja mittlerweile nicht mehr für die Dauer einer Behandlung bezahlt wird. Es ist also auch ökonomisch sinnvoll bei Bedarf so schnell wie möglich ein Konsil zu erhalten. Beachte dabei folgende Dinge.

1. Krankengeschichte und Verdachtsdiagnose schildern

Um ein Konsil anzufordern, gibt es in der Regel „Konsilscheine“. Hier sollte man zunächst (kurz) die wichtigsten Symptome, Untersuchungsergebnisse und Vorerkrankungen zusammenfassen. Für weitere Infos kann man auch auf beigefügte wichtige Vorbefunde hinweisen, wenn diese existieren.

2. Voruntersuchungen veranlassen

Häufig benötigt der Konsiliar zur Beurteilung noch weitere Untersuchungen. Wenn man das schon ahnt bzw. weiß, dass z.B. der Internist immer ein EKG und einen Röntgen-Thorax verlangt, dann ist es sinnvoll, dies bereits vorher zu veranlassen, so dass die Ergebnisse vorliegen, wenn der Kollege auf den Patienten trifft. Es kann auch von Nutzen sein (insbesondere, wenn man eine akute Problematik beurteilt haben möchte), den Konsilarzt vorher telefonisch über den Patienten zu informieren und nach Untersuchungen zu fragen, die er zur Beurteilung benötigt. So kann man auch die Dringlichkeit eines Konsils unterstreichen und erhält eine schnelle Erledigung. Außerdem lernt man im Gespräch mit dem Kollegen auch häufig noch etwas zu diesem unbekannten Gebiet dazu.

CT-Abdomen
„Vorbefunde wie dieses CT sollten mit Befund dem Konsilschein beigefügt werden – Da freut sich jeder Konsiliar“

3. Die Fragestellung

Jetzt hast Du den Bogen fast ganz ausgefüllt und sollst noch schreiben, was Du eigentlich von dem Kollegen erwartest. Dann meinst Du vielleicht, dass Du das doch schon geschrieben hast: „Der Patient hat Beschwerden und der Kollege soll ihn gesund machen!“ Vielleicht willst Du aber auch nur, dass Dir der Kollege bestätigt, dass es sich nicht um Krankheit X handelt. Wenn dies der Fall ist, dann schreibe als Fragestellung: „Erbitte Ausschluss Krankheit X!“ Und wenn Du es etwas allgemeiner halten willst, kannst Du beispielsweise schreiben: „Mit der Bitte um Beurteilung und Therapieempfehlung!“ oder „Erbitte Mitbeurteilung, Therapieempfehlung und ggf. Übernahme in Ihre Behandlung!“ Dann weiß der Konsiliar auch, dass er Deinen Patienten zu seinem Patienten machen kann, wenn er dies für notwendig hält.

Konsile

Ein Röntgenschein ist streng genommen übrigens auch ein Konsil. Daher freuen sich die Radiologen auch, wenn Du ihnen ebenfalls ein paar Infos aufschreibst. Ein Röntgenschein hat daher auch meistens drei Bereiche, die Du ausfüllen solltest. Zuerst solltest Du schreiben, warum Du die folgende Röntgenuntersuchung anforderst. Nenne also die Erkrankung bzw. die Symptome (z.B. unklares Fieber) oder den Unfall (z. B. Thoraxprellung) bevor Du die Untersuchung (z. B. Röntgen-Thorax) nennst. Wenn Du dann bei Fragestellung noch schreibst, was Dich eigentlich interessiert (z.B. Ausschluss von Ergüssen oder Frakturen), dann hast Du alles notiert, was der Radiologe braucht, wenn er die Untersuchung durchführen und das Bild beurteilen soll. Häufig wird ja auch vor einem Eingriff beispielsweise ein Röntgen-Thorax angefordert. Auch dann solltest Du dem Radiologen aufschreiben, was eigentlich operiert werden soll. Denn wenn es eine Operation an einem Tumor ist, wird der Radiologe ganz gezielt nach Lungenmetastasen suchen. Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis von einem Chirurgen:

Wenn Du das Gefühl hast, bei Deinem Patienten müsste eventuell etwas dringend operiert werden, dann warte bitte nicht mit dem Konsil bis zum Nachmittag oder bis auch die letzte Untersuchung zu diesem Ergebnis kommt. Lege es auch nicht einfach in das Fach im Sekretariat. Wir (und das OP-Team) freuen uns immer über eine möglichst frühzeitige Information, um diese OP dann ggf. noch im Tagesprogramm unterzubringen. Wir versprechen dann auch, die Internisten bei dem Verdacht auf einen Herzinfarkt immer sofort zu informieren und schon die Herzenzyme und ein EKG veranlasst zu haben ;-)

Gemeinsam können wir alles schaffen!

Dein Dr. Felix Findig