Ferien

Hier gibt Dr. Findig Insidertipps
für Dein Medizinstudium
und den Berufsstart!

Lerne von einem Experten aus der Praxis!
Dr. Findig und sein Team wünschen
sonnige Semesterferien!


© 2008-2017 klinikfinder.de - Dr. Nils Kneißel und Daniel Vorhauer GbR

Vorgesetzte führen - Neuheiten einführen

Ja, Du hast schon richtig gelesen. Hier soll es darum gehen, wie Du Deine Vorgesetzten führen kannst. Eigentlich sollen die ja Dich führen, das gelingt aber nicht jeder „Führungskraft“. Häufig gibt es ja außerdem noch einen Alters- und Erfahrungs-Unterschied zwischen Dir und dem „weisungsbefugten Kollegen“. Das alles musst Du berücksichtigen, wenn Du eine andere Meinung zu einer Therapie hast oder beispielsweise von guten Neuheiten auf einer Fortbildung erfahren hast und diese gerne in Deiner Abteilung einführen möchtest. Vielleicht bist Du auch gerade der oder die Neue und hast schon gute Erfahrungen mit einer anderen Methode gesammelt, die an dieser Klinik nicht angewendet wird.

Jetzt musst Du sehr diplomatisch, wenn nicht sogar strategisch vorgehen, wenn Du die „alten Hasen“ von diesen Neuheiten überzeugen willst.

Ich hatte da so ein Schlüsselerlebnis während einer Famulatur in Österreich. Wir wollten einen Nagel in einen Oberschenkelknochen einbringen, den sich ein englischer Skifahrer gebrochen hatte. Der Patient war also im OP in so einer Apparatur eingespannt, die das Bein in die Länge zog und damit die Reposition erreichen sollte. Der Operateur richtete diese „Streckbank“ so ein, dass die Bruchkanten genau in einer Ebene lagen. Was dann allerdings in einer Durchleuchtungsebene exakt reponiert aussah, lag in der anderen Ebene immer noch nebeneinander. So ging es dann fast eine Stunde, in der der Kollege reponierte und reponierte, mit jedoch immer dem gleichen Ergebnis...

Da wurde mir klar, dass er bei seiner Aktion die Trümmerzone völlig außer Acht gelassen hatte und ohne groß darüber nachzudenken, wie ich das rüberbringen soll, sagte ich einfach: „Ich glaube, Sie müssen das Bein noch weiter auseinander ziehen, damit die Reposition gelingen kann!“ Das kam gar nicht gut an. Der Kollege war ja schon sichtlich genervt und dann auch noch so ein Vorschlag von einem kleinen Famulanten. „Sind Sie verrückt! Das schädigt doch den Muskel und die Sehnen! Das können wir nicht machen! Lassen Sie mich bitte in Ruhe meine Arbeit tun“. Das durfte ich mir anhören und außerdem noch eine halbe Stunde weitere verzweifelte Versuche, bis sich der Kollege dazu entschloss, den Chefarzt hinzuzuziehen. Der kam dann auch prompt, schaute sich das Problem an und sagte nur: „Wir müssen das Bein noch weiter auseinanderziehen, damit die Reposition gelingen kann!“ Fünf Minuten später war der Nagel eingebracht und das Bein wieder fast wie neu...

Klar dachte ich mir: „Was für ein Idiot dieser Operateur!“ Eine Entschuldigung habe ich übrigens auch nicht erhalten. Später habe ich Kollegen beobachtet, die versuchten, ihre Vorgesetzten von etwas zu überzeugen. Mir ist aufgefallen, dass die am erfolgreichsten waren, die dies in eine Frage verpackten und dem Chef- oder Oberarzt in dem Glauben ließen, es sei ihre eigenen Idee gewesen. Ganz nebenbei mussten Sie dann auch nicht dafür gerade stehen, wenn diese Lösung doch keine so gute Idee war.

Doch wie genau machen das solche Kollegen? Eine Methode funktioniert beispielsweise so, dass Sie den Vorgesetzten nach seiner Meinung fragen, und dabei anscheinend an der Innovationskraft der eigenen Abteilung zweifeln. „Ich habe da auf der letzten Fortbildung diese neue Methode erfahren, die ja ganz sinnvoll klingt, doch das geht ja bei so einer kleinen Abteilung wie unserer gar nicht. Oder was meinen Sie?“ Wenn man nun auf einen Chefarzt trifft, der seine Abteilung für die beste aller Kliniken hält (so wie etwa 99%), dann wird er solch eine Beleidigung wahrscheinlich nicht hinnehmen und diese neue Methode erst recht praktizieren wollen.

Wenn Du etwas darüber nachdenkst, fallen Dir sicherlich auch ein paar Ansatzpunkte auf, wie Du deine „Führungskräfte“ von Deiner Meinung überzeugen kannst. Vielleicht hast Du aber auch Glück und ein paar Vorgesetzte, die offen für Vorschläge sind und mit denen Du über so etwas problemlos reden kannst.

Viel Erfolg wünscht Dir

Dein Dr. Felix Findig