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Die erste Blutentnahme

Wenn ich hier versuchen soll, Dir die Blutentnahme zu erklären, dann wird das ziemlich schwierig. Ungefähr so, als wollte ich Dir das Fahrradfahren im Internet beibringen. Doch ich will Dir ein paar Tipps geben, damit Du ein paar Anfängerfehler vermeidest. Die Handhabung sollte Dir dann ein erfahrener Kollege zeigen, damit Du Deine ersten Versuche am Kommilitonen oder schon am (verständnisvollen) Patienten machen kannst.

1. Vorstellen

Streng genommen ist auch die Blutentnahme eine Körperverletzung. Gott sei Dank brauchen wir hier aber nicht jedes Mal ein schriftliches Einverständnis, wie bei einer Operation. Trotzdem muss der Patient zustimmen. Das tut er, wenn Du ihm erklärst, was Du vor hast und Dich gewähren lässt. Ich habe mich immer folgendermaßen vorgestellt: „Guten Tag Herr Meier, ich bin Felix Findig und ich wollte nun bei Ihnen Blut abnehmen!“ Wenn jetzt keine Widerrede kommt, darfst Du loslegen.

Sorgen
Guten Morgen liebe Sorgen! Seid Ihr auch schon alle da?

2. Wer suchet, der findet!

Nun solltest Du Dich entscheiden, wo Du das Blut abnehmen willst. Die beste Stelle ist und bleibt die Ellenbeuge. Staue also oberhalb der Ellenbeuge, bitte den Patienten die Hand zur Faust zu ballen und gucke, wo sich die Venen befinden. Durch sanftes Klopfen kannst Du diese auch etwas hervorlocken. Aber Vorsicht, häufig sind die schön sichtbaren Venen nicht die Besten, da sie sehr oberflächlich liegen können und dünner sind, als Sie einem erscheinen. Hier gilt nicht nur das Motto: „Wo Sehen nicht ist, ist Tasten keine Schande!“ Gerade bei der Blutentnahme ist das Tasten noch wichtiger als das Sehen, denn nur so kannst Du ein Gefühl dafür entwickeln, in welcher Tiefe die Vene liegt und findest die großen Venen, die Du mit dem Auge nicht gesehen hast, welche aber viel einfacher zu punktieren sind.

Da hatte ich ein schönes Erlebnis als Famulant. In der Nephrologie hatten wir einen Patienten, da wollte keiner zum Blutabnehmen hin, da das angeblich so schwer war. Und auch der Patient selber sagte mir: „Viel Glück, das brauchen Sie, um aus meinem Arm ein Tröpfchen Blut zu bekommen!“ Aber wer ein Arzt werden will, lässt sich davon nicht abhalten. Also staute ich den Arm und tastete sorgfältig die Ellenbeuge ab. Und tatsächlich, am äußersten Rand, da, wo wahrscheinlich noch nie ein Arzt zuvor gewesen ist, fand ich eine Vene, die fast so dick war wie mein fünfter Finger. Und es war nicht der Shuntarm, falls jetzt irgendwelche Zweifel kommen sollten. Doch diese Vene war einfach nicht zu sehen, da Sie sehr tief lag. Kurzum, einmal hinein gestochen und alle Röhrchen waren schnell gefüllt. Der Patient war überglücklich und von nun an durfte nur ich jeden Morgen bei ihm Blut abnehmen.

Und noch eine süße Geschichte. Als ich zu einer ziemlich zierlichen alten Dame vor dem Blutabnehmen sagte: „Und jetzt machen Sie bitte eine Faust!“ Lächelte Sie mich mit ihren Rehaugen an und sagte mit ihrem ebenso zierlichen Stimmchen: „Dann muss ich aber aufpassen, das die mir nicht ausrutscht...“ Gott sei Dank ist nichts passiert!

Und noch ein altes Chirurgen-Motto gilt hier: „Pulsiert die Vene – ist es keene!“ Also auch hier ist es wichtig zu tasten, ob es sich nicht vielleicht um eine Arterie handelt oder eine solche in unmittelbarer Nähe liegt!

3. Mach´s mit!

Und zieh Dir verdammt noch Mal vorher Handschuhe an! Da muss ich aber mal laut werden. Manchmal bin ich umgeben von Kollegen, die die einfachsten Regeln des Selbstschutzes missachten.

Und glaube mir bitte Eines: Man kann mit Handschuhen Blut abnehmen!

Und fang gar nicht erst an es ohne Handschuhe zu probieren, weil Du angeblich nichts spürst. Das ist alles eine Frage der Gewöhnung. Dein Gehirn ist gar nicht so dumm und wird schnell die zusätzlichen Mikrometer, die Dich von Deinem Patienten trennen, mit einkalkulieren, sodass Du trotzdem noch heraus findest, in welcher Tiefe die Vene liegt. Du solltest natürlich die richtige Handschuhgröße wählen, die einerseits nicht gleich wieder von der Hand rutscht und andererseits auch nicht sämtliches Blut und Gefühl aus Deiner Hand quetscht. Dann funktioniert es aber wirklich! Ich kann schon gar nicht mehr ohne Handschuhe Blut abnehmen, weil es dann nicht das richtige Gefühl mehr ist!

Ich weiß noch, wie wir das erste Mal Blut abgenommen haben. Es war im Physiologiepraktikum und eine MTA wollte uns dies demonstrieren. Also nahm Sie sich einen Freiwilligen aus unserer Gruppe und griff sich gerade den heraus, der sowieso nicht sonderlich gesund aussah. Dann wollte Sie beginnen ohne vorher Handschuhe anzuziehen und vorlaut wie ich damals war, fragte ich: „Muss man sich dabei nicht Handschuhe anziehen?“ Sie entgegnete mir etwas genervt aber total selbstsicher: „Wenn man das kann, dann braucht man keine Handschuhe!“ Und Sie legte los. Hatte ich erwähnt, das die Versuchsperson auch sehr ängstlich war? Wie auch immer. Die MTA stach zu, der Student zuckte zurück, die Nadel rutschte raus und aus dem gut gestauten Arm lief das Blut über beide Hände der MTA bis in ihren Schuh. Also drehte ich mich zu meinem Nachbarn, der mich anlächelte und sagte: „Weißt Du Felix, wenn man das kann, dann braucht man keine Handschuhe!“ Recht hatte er!

Es ist wie im Straßenverkehr. Da trägst Du ja auch einen Sicherheitsgurt, obwohl Du fahren kannst. Aber Du machst es weil es noch andere Verkehrsteilnehmer gibt, die unberechenbar reagieren können.

4. Der erste Stich

Okay, Du hast also Handschuhe an, hast Deine Vene gefunden und willst loslegen. Desinfiziere dann das Zielgebiet und während Du das Mittel einwirken lässt, kannst Du Dir alles weiter zurecht legen. Setzt Dich ruhig auf einen Stuhl, den Du heran gezogen hast, denn wenn Du eine entspannte Haltung einnimmst, dann wird Dir alles weitere auch viel einfacher von der Hand gehen. Und Dein Rücken dankt es Dir auch! Bevor Du nun zustichst, solltest Du dies dem Patienten beispielsweise so ankündigen: „Achtung es gibt jetzt einen kleinen Stich!“

Zuvor spanne ich immer die Haut über der Venen nach rechts und links an, damit die Vene etwas fixiert ist. Außerdem schmerzt es dann weniger, wenn Du durch die Haut stichst. Hier sind sowieso die meisten Nerven, weshalb Du relativ schnell die Haut durchstechen solltest. Hast Du dann die Vene noch nicht getroffen, weil Du kein Blut aspirieren kannst, dann hast Du entweder daneben oder durch die Venen durch gestochen. Ziehe nun langsam die Kanüle unter Aspiration zurück, ohne wieder aus der Haut heraus zu rutschen. Kommt immer noch kein Blut, dann kannst Du nun noch einmal nach der Vene tasten und erneut zu stechen. Solange Du die Nadel nicht aus der Haut ziehst, kannst Du ruhig noch ein paar mal nach der Vene suchen.

Beobachte den Patienten, ob es ihm starke Schmerzen bereitet und solange Du noch Hoffnung hast, die Vene zu treffen, solltest Du es versuchen. Jeder muss das mal lernen, doch nach dem dritten Mal kannst Du auch einen erfahrenen Kollegen bitten, es Dir zu zeigen. Vielleicht ist es bei diesem Patienten auch wirklich schwierig, oder Du erfährst, was Du beim nächsten Mal anders machen kannst.

Viel Erfolg wünscht Dein

Dein Dr. Felix Findig