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Das erste Mal im OP

Im OP herrschen teilweise auch körperlich sehr belastende Umstände. Gehe nur in den OP, wenn Du gesund bist und ausreichend gegessen und getrunken hast!

besser mit helm..

Das erste Mal war ich in meinem Pflegepraktikum im OP. Das frühe Aufstehen hatte mir damals etwas zu schaffen gemacht und ich fühlte mich morgens immer etwas unwohl, weshalb ich nicht so viel gegessen und getrunken hatte. Und an einem Morgen sollte ich dann in den OP. Und es war nicht irgendeine OP. Bei einem schwer brandverletzten Säugling sollte Haut vom Kopf auf die Brust transplantiert werden. Wer das schon mal gesehen hat, der weiß, das dies eine ziemlich blutige Angelegenheit ist. Zu allem Überfluss wurde dabei außerdem der OP-Saal auf 30°C aufgeheizt, um ein Auskühlen des Kindes zu verhindern. So stand ich also neben dem OP-Tisch, der Schweiß lief nur so und ich merkte, wie das besagte Übelkeitsgefühl immer stärker wurde. Am vielen Blut lag es eigentlich nicht. Doch das erste Mal mit einem Mundschutz zu atmen, während dieser schweißnass war, das war neu für mich und gar nicht so einfach.

Also trat ich sicherheitshalber vom Tisch zurück weiter nach hinten, wo ich mich auch hinstellen durfte. Von hier sah ich nichts mehr von der OP und kam so langsam mit dem Atmen durch den Mundschutz zurecht, so dass ich, als das Übelkeitsgefühl verschwunden war, wieder zum Tisch gehen wollte. Da passierte es. Ohne Vorwarnung wurde mir schwarz vor Augen und ich fiel nach hinten gegen einen Glasschrank und schlug mit dem Kopf auf ein Podest auf. Gott sei Dank, blieb das Glas heile und als ich wieder aufwachte, sah ich, wie eine OP-Schwester meine Beine in die Höhe hob. Selber Aufstehen wurde mir durch ein energisches „Du bleibst liegen!“ untersagt und so durfte ich wenig später, von zwei Pflegern gestützt, den OP verlassen. Nach etwas Wasser und einem Brot ging es schon viel besser. Dummerweise hatte ich mir eine kleine Einblutung in die Skleren rechts und eine heftige Beule zugezogen, weshalb ich dann erstmal zum D-Arzt und Augenarzt geschickt wurde. Alles halb so schlimm aber jeder Arzt und jede Schwester, die mir begegnete, erklärte mir, dass das selbst dem Chefarzt passiert wäre. Nur wahrscheinlich nicht schon nach 30 Minuten...

Also denke daran, dass Du ausreichend isst und trinkst, bevor Du in den OP gehst! Um in den OP zu kommen, musst Du Dich erst einmal „einschleusen“. Aus hygienischen Gründen musst Du nämlich einmal die entsprechende Bereichskleidung anziehen, unter der OP-Haube alle Haare verstecken und einen Mundschutz aufsetzen. Das kannst Du alles in der dafür vorgesehenen Umkleide machen. Erst so vermummt darfst Du dann den OP in den schicken OP-Schuhen betreten. Letztere zu finden kann manchmal etwas schwierig sein. Die meisten OP-Schuhe sind mit Namen und Zeichen versehen und gehören daher jemandem. Die solltest Du nicht nehmen. Es kommt nämlich beim Chefarzt gar nicht gut an, wenn Du seine Schuhe trägst. Nimm am besten ein unbeschriftetes Paar oder eines auf dem „Vater“ steht. Dann bist Du wahrscheinlich auch im gynäkologischen OP. Sollten alle Schuhe beschriftet sein, dann frag am besten jemanden, welche übrig sind, weil der entsprechende Besitzer entweder gar nicht mehr dort arbeitet oder frei hat.

1. Stelle Dich jedem vor!

Wenn Du nun Deinen OP-Saal gefunden hast, gilt die altbekannte Regel: „Stell Dich jedem vor!“ Gerade im OP werden unbekannte Gesichter nicht gerne gesehen. Frage dann auch, wie Du Dich verhalten sollst und wo Du Dich hinstellen darfst, um nicht im Weg zu sein. Sag ruhig, dass Du zum ersten Mal im OP bist, damit die Schwestern und Pfleger wissen, wie sie Dich einschätzen sollen. Wenn Du einen Tag später wieder im OP bist und bei den ganzen vermummten Gesichtern nicht mehr weißt, ob die Dich schon kennen, dann solltest Du Dich natürlich erneut vorstellen. Lieber einmal zu viel vorstellen als einmal zu wenig!

„OP-Einhang“
„Herein spaziert, herein spaziert!“

2. Alles was grün oder blau ist, ist steril!

Die Herren bzw. Herrinnen über die Hygiene sind die OP-Schwestern und OP-Pfleger. Sie sind dafür verantwortlich, dass unter sterilen Bedingungen gearbeitet wird. Daher wird der Patient vor der OP mit vielen grünen oder blauen Tüchern abgedeckt und seine Haut im OP-Bereich desinfiziert.

Von allen blau oder grün abgedeckten Gegenständen und von den Ärzten und Pflegekräften in den sterilen Kitteln musst Du immer einen Abstand von mindestens 50 cm einhalten und darfst sie nicht berühren. Passiert Dir das versehentlich oder beobachtest Du, wie ein Gegenstand oder eine Person „unsteril“ wurde, dann solltest Du dies sofort mitteilen. Schließlich geht es um die Gesundheit des Patienten. Es ist nicht schlimm, wenn mal etwas unsteril wird. Das passiert den erfahrensten Kollegen immer wieder. Schlimm ist es, dies nicht sofort zu melden und eine Infektion des Patienten zu riskieren. Damit so etwas aber gar nicht erst passiert gelten noch weitere Regeln im OP.

3. Immer mit der Ruhe!

Hastige Bewegungen oder gar Rennen ist im OP verboten. Dadurch besteht die Gefahr Luft und damit Staubteilchen mit Bakterien aufzuwirbeln, die dann in die sterile Wunde des Patienten gelangen können. Daher trägt man auch immer einen Mundschutz. Nicht, um sich vor irgendwelchen Keimen zu schützen, sondern um zu verhindern, dass Keime aus dem Rachenraum den Patienten infizieren könnten. Daher ist es streng genommen ein „Mund- und Nasen-Schutz“ und man muss damit Mund UND Nase bedecken. Die Nase darf also oben nicht heraus schauen. Bei jedem Mundschutz gibt es daher an einer Seite einen eingearbeiteten Metalldraht, den man sich entsprechend seiner Nasenform zurecht biegt und wie ein Brillengestell auf die Nase setzt. Eine Brille kann man dann noch über diesen Mundschutz setzen. Besser sind allerdings Kontaktlinsen, da die Brillen-Mundschutz-Kombination auch gerne mal beschlagen kann und prinzipiell die Gefahr besteht, dass diese von der Nase ins OP-Gebiet fällt.

keimfrei

Vor einigen OP-Sälen hängt ein Schild „septisch“, „MRSA“ oder du siehst am Eingang einen in Desinfektionsmittel getränkten Lappen, der den Durchgang „versperrt“. Hier findet gerade eine OP statt, bei der gefährliche Keime frei gesetzt werden können. Es herrschen besondere Vorkehrungsmaßnahmen, damit das Personal diese Keime nicht in die anderen „aseptischen“ (also sauberen) OP-Säle trägt. Hier solltest Du nur eintreten, wenn Du dort erwartet wirst. Du brauchst keine Angst zu haben, dass Dir diese Keime schaden können. Es gibt jedoch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Erkundige Dich, bevor Du den Saal betrittst, welche das sind. Und wenn Du Ihn wieder verlassen willst, dann musst Du Dich meist in einen Extrakittel einwickeln und die Schuhe wechseln. Auch dabei hilft man Dir bestimmt, wenn Du danach fragst.

4. Hilf, wo Du kannst aber frage vorher nach!

Im OP ist jede Hand willkommen, wenn es ums Lagern des Patienten oder die Operation selber geht. Frage aber, bis Du einmal erkannt hast, was Du darfst und was nicht, immer nach, wie und wo Du helfen kannst. Wenn Du Dich hilfsbereit zeigst, dann wird man Dir auch viel lieber andere interessante Dinge zeigen oder durchführen lassen.

sei neugierig

Im OP gibt es neben der üblichen Teilnahme an den Operationen noch viele andere Dinge zu lernen und zu tun. Erkundige Dich auch beim Anästhesisten, was er vor, während und nach der OP so macht. Dann zeigt er Dir auch einmal, wie man einen Patienten intubiert bzw. lässt Dich selbst einmal intubieren. Wenn der Patient narkotisiert ist und einen Blasenkatheter benötigt, sind das ebenfalls gute Bedingungen, um dies zu lernen.

5. Nach der OP nicht einfach wegrennen!

Wenn die OP fertig ist und die sterilen Tücher abgedeckt sind, dann ist meistens nur noch der Assistent und der Anästhesist im OP. Während der Operateur die notwendigen Dokumentationen macht und den Bericht diktiert. Jetzt ist es wichtig, dass das OP-Ergebnis nicht wieder zu Nichte gemacht wird. Dafür ist nun der Assistent (und vielleicht auch Du) verantwortlich. Beim Umlagern des Patienten zurück ins Bett ist darauf zu achten, dass die eingebrachten Drainagen nicht versehentlich herausgezogen werden oder an der operierten Extremität zu kräftig gezogen wird, wodurch Platten verbiegen und Nähte aufreißen können. Nicht selten wird auch bei den Redonflaschen vergessen, diese zu „öffnen.“ Das heißt, es muss die Verbindung zwischen Flasche und Drainageschlauch geöffnet werden, damit der Unterdruck in der Flasche das überschüssige Blut und Wundwasser aus dem OP-Bereich saugen kann. Hilf dem Assistenten dabei, dies alles zu berücksichtigen, denn vier Augen sehen mehr als zwei!

Im OP kannst Du eine wertvolle Hilfe sein und vieles Interessante lernen!

Dein Dr. Felix Findig