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Röntgenbilder richtig deuten

Also bevor ich hier anfange, will ich mich bei allen Radiologen entschuldigen. Ich bin ja kein Experte, was Röntgenbilder angeht, aber ich habe mir zumindest ein paar Tipps gemerkt, die mir mal ein Radiologe beigebracht hat. Sollte ich dabei etwas falsch erklären, dann zögern Sie bitte nicht und teilen Sie mir dies mit.

Jetzt aber zu den Tipps!

1. Das richtige Röntgen

Doch bevor man ein Röntgenbild zur Beurteilung hat, muss man es erst einmal erstellen lassen. Da fängt es meistens schon mit den Problemen an. Was nehme ich denn auf? Gut dass es da so ein paar Standardaufnahmen gibt, die man bei der entsprechenden Fragestellung aufnimmt:

  • Thorax in zwei Ebenen in Inspiration im Stehen zur Beurteilung von Herz und Lunge, aber auch, um freie Luft im Abdomen unter dem Zwerchfell zu entdecken. Wenn Du aber einen Pneumothorax ausschließen willst, dann solltest Du die Aufnahme in Exspiration durchführen lassen, da sich dadurch auch kleine Luftsicheln besser von der Lunge unterscheiden lassen.

  • Abdomenübersicht im Stehen zum Ausschluss von Flüssigkeitsspiegeln in den Gedärmen, welche auf einen Ileus hinweisen. Man kann aber auch Meteorismus (Blähungen) und Koprostase (Verstuhlung) entdecken.

Um das Skelett zum Beispiel nach einem Unfall beurteilen zu können gibt es auch wieder so einige Standardaufnahmen. Hierbei nimmt man beispielsweise ein Gelenk auf (z. B. Handgelenk in zwei Ebenen) oder einen Röhrenknochen mit einem angrenzenden Gelenk (z. B. Schulter mit Oberarm in zwei Ebenen). Selbstverständlich sollte man sich dabei auf den Punkt des größten Schmerzes konzentrieren und darauf achten, das dieser möglichst zentral im Röntgenbild zu sehen ist, da hier die Auflösung am besten ist und man so einen Bruch am besten sehen kann. Im Sinne des Strahlenschutzes und um eine bessere Bildqualität zu erreichen (weil man so die sogenannte Streustrahlung vermeidet) sollte man außerdem den Röntgenbereich möglichst klein halten. Wenn also der kleine Finger verdreht wurde, dann musst Du nicht die ganze Hand röntgen, sondern nur den fünften Strahl.

2. Die Systematik beim Betrachten

Ich bin ja ehrlich, als ich die ersten Röntgenbilder gesehen habe, da kamen sie mir vor wie diese Suchbilder in der Tageszeitung, wo man zehn Fehler entdecken soll. Erst später erfuhr ich davon, wie man sich den Bildern mit einer Systematik nähert.

Bei den Knochenbildern guckst Du zum Beispiel erst einmal, ob alle Knochen in den Gelenken an der richtigen Stelle sitzen, also nicht luxiert (ausgerenkt) sind. Bei der Wirbelsäule kannst Du so einfach in der seitlichen Aufnahme gucken, ob die Vorder- und Rückkanten der Wirbelkörper in einer schön geschwungenen Linie verlaufen und keiner „aus der Reihe tanzt“. In der Aufnahme von vorne (a. p.) müssen die Dornfortsätze ebenfalls eine gerade Linie bilden.

Dann schaust Du Dir die Kortikalis also die „Rahmen“ der Knochen an. Bei allen Knochen

ist diese mehr oder weniger breit ausgebildet und darf keine Unterbrechung oder Stufe haben, sonst ist es genau dort gebrochen. Einen Sonderfall bilden die kindlichen Knochen, die dort auch mal eine Kortikalisausbuchtung oder einen Knick haben können, was als „Grünholz-“ oder „Wulstbruch“ bezeichnet wird. Hier hat die harte Knochenhaut ein Auseinanderweichen der Knochenstücke verhindert. Wenn Du schon ein bisschen Erfahrung hast, dann kannst Du Dir beispielsweise beim Oberschenkelhals auch mal die Trabekelstruktur angucken. Wie die Verstrebungen eines Baustellenkrans sollten diese in durchgehenden Linien durch den Knochen ziehen.

Nicht immer einfach...
Nicht immer ist die Fraktur so einfach zu erkennen, wie auf diesem Bild!

3. Spezialfälle nicht vergessen

Und dann gibt es natürlich auch immer ein paar spezielle Fälle, die man nicht übersehen sollte, die Du aber schnell lernst. Bei diesen Bildern gibt es immer ein paar Ecken, die man sich genauer angucken sollte:

  • Wenn Du einen Pneumothorax vermutest guckst Du Dir besonders die Lungenspitzen an und verfolgst den Rand der Lunge an den äußeren Kanten. Hier darf keine Linie zu erkennen sein, sonst liegt ein „Pneu“ vor.

  • Wenn Du die Hüfte bei Verdacht auf eine Oberschenkelhalsfraktur beurteilst und keine Fraktur findest, dann lohnt sich auch immer ein Blick auf das Scham- und Sitzbein. Hier kann eine Fraktur vorliegen und die selben Beschwerden machen, was aber gerne mal übersehen wird, weil man sich nur auf den Oberschenkelhals konzentriert hat.

  • Und dann gibt es noch den Thorax und das Abdomen, auf dem man viel erkennen kann. Doch hier stößt auch mein Fachwissen an Ihre Grenzen, um dies gut erklären zu können. Hier kann ich Dir ein Buch empfehlen, dass ich in meinem Studium fast verschlungen habe, obwohl ich eigentlich nicht gerne lese. Es ist optimal für Dich, wenn Du verstehen willst wie einzelne Zeichen auf dem Röntgenbild entstehen. So kannst Du dann auch ganz einfach verstehen, was Dir diese Aufnahmen alles zeigen können. Dieses Buch, das Dir am Beispiel eines Röntgenbildes einer Rose fast alles erklären kann, was Du über Bildgebung wissen musst, heißt „Squire's Radiologie - Grundlagen der klinischen Diagnostik“ und ist im Schattauer Verlag erschienen. Besser als dieses Buch könnte ich es auch nicht erklären.

Viel Spaß beim Bildergucken wünscht Dir

Dein Dr. Felix Findig