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Die Orthopädie und Unfallchirurgie stellen sich vor!





An dieser Stelle haben sich Dr. med. Daniela Depeweg, Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg und K. Dragowsky, Unfallkrankenhaus Berlin Klinik für Unfallchirurgie und Orhopädie als Sprecher für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. den Fragen von Dr. Findig gestellt.


  1. Welche Erkrankungen und Patienten behandelt eine Fachärztin bzw. ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?

    Die Tätigkeit einer Fachärztin / eines Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie umfasst die Vorbeugung, die Erkennung, die konservative und operative Behandlung sowie die Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen aller Art und deren Folgen sowie von angeborenen und erworbenen Formveränderungen, Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Erkrankungen der Halte- und Bewegungs-organe. Behandelt werden Patienten aller Altersklassen.

  2. Wie sieht der Arbeitsalltag einer Fachärztin bzw. eines Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Klinik aus?

    Der Arbeitsalltag einer Fachärztin/ eines Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Klinik umfasst die morgendliche Frühbesprechung mit den Kollegen, die Visite auf der Station, die Tätigkeit im Operationssaal oder der Ambulanz oder im Schockraum und die Aufklärungsgespräche und klinische Untersuchungen der Patienten, die am Folgetag operiert werden sowie eine Röntgenbesprechung am Nachmittag. Neben diesen Tätigkeiten führt eine Fachärztin/ ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie administrative Tätigkeiten aus, führt Gespräche mit Patienten und Angehörigen, tauscht sich aber auch fachübergreifend mit Internisten, Radiologen und Anästhesisten aus. Neben regelmäßigen Fortbildungen, M und M Konferenzen, den Nacht- und Wochenenddiensten sowie gegebenenfalls die Teilnahme am Rettungsdienst, stehen auch wissenschaftliche Forschungsaktivitäten auf dem Programm.

  3. Wie wird man eine Fachärztin bzw. ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?

    Zunächst werden im zweijährigen „Common trunk“ die Basisfertigkeiten der Allgemeinen Chirurgie vermittelt. Danach folgen vier Jahre klinische Tätigkeit in einer unfallchirurgisch/ orthopädischen Abteilung.

  4. Kann jeder eine Fachärztin bzw. Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie werden?

    Nach dem Studium kann jede junge Assistenzärztin/ jeder junge Assistent die Facharztausbildung anstreben.

  5. Kann man sich als Fachärztin bzw. Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie später niederlassen?

    Eine Fachärztin/ ein Facharzt kann sich später als Alternative zur Tätigkeit in einer Klinik – Akutklinik, spezielle Fachklinik und Reha-Klinik - auch in einer Praxis mit einem konservativen oder auch operativen (Belegarzt) Schwerpunkt niederlassen.

  6. Wie sieht der Arbeitsalltag einer Fachärztin bzw. eines Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Praxis aus?

    Der Arbeitsalltag einer Fachärztin/ eines Facharztes in der Praxis mit dem Schwerpunkt Orthopädie umfasst die konservative, ambulante Sprechstundentätigkeit und/oder operative Tätigkeit. Desweiteren nehmen in der Regel die Kollegen mit dem Schwerpunkt „spezielle Unfallchirurgie“ am D-Arztverfahren teil, also an der (Nach)-Behandlung von Arbeitsunfällen.

  7. Was fasziniert Sie so sehr an Ihrem Fachbereich?

    Der Fachbereich Orthopädie und Unfallchirurgie ist ein ausgesprochen interessantes und vielfältiges Fachgebiet. Man behandelt Patienten vom Säugling mit angeborenen Fehlstellungen der Hüfte über die Fünfjährige Patientin mit einem bösartigen Knochentumor über den 30-Jährigen Fußballspieler mit Kreuzbandruptur über den Schwerverletzten Motorradfahrer, aber auch den 40-Jährigen Rückenschmerzpatienten und die 60-Jährige Hausfrau, die ein neues Hüftgelenk, ein Kunstgelenk, braucht. Jeder kann sich seinen Neigungen entsprechend in einem Schwerpunktbereich spezialisieren und sowohl operativ oder nicht operativ als auch in der Klinik oder in der Praxis tätig sein.

  8. Welche Vorurteile bestehen gegenüber dem Beruf der Fachärztin bzw. des Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie, und was ist da dran?

    Ich nehme an, dass hiermit die Arbeitsbelastung im orthopädisch- unfallchirurgischen Fachgebiet gemeint sein könnte. Natürlich fallen wie in jedem medizinischen Sektor für die Ärzte Überstunden an. Die Arbeitsbelastung in der Verletztenversorgung mit der (Nacht)-Diensttätigkeit ist zeitlich schwer plan- und vorhersehbar. Bei einer gut organisierten Klinikstruktur und einem kollegialen Miteinander ist diese Arbeitsbelastung jedoch tolerabel. Natürlich muss jede Kollegin/jeder Kollege, der diese Facharztausbildung anstrebt, dies wissen und selbst entscheiden, ob dieser Arbeitsalltag seinen/ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht.

  9. Wie unterstützen die Fachgesellschaften und der Berufsverband einen Berufsanfänger auf dem Weg zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?

    Die Fachgesellschaften sind zum einen die „Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie – DGU“ und die „Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie – DGOOC“, die vor zwei Jahren einen Vereinsverband „Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie – DGOU“ gegründet haben, um das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie mit seinen Spezialbereichen zu vertreten. Die Gesellschaft unterstützt zum einen wissenschaftliche Tätigkeiten im Fachgebiet sowie den Austausch und die Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Fachgesellschaften. Sie vertritt das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie in der Öffentlichkeit, der Politik, bei den Kostenträgern der Krankenkassen etc. In Kursen werden Fortbildungsangebote zur vertiefenden Begleitung der Weiterbildung und der Fortbildung über die Akademien angeboten. Die DGOU unterstützt klinische Studien und hat eigene spezielle Forschungsnetzwerke im Bereich der patientenorientierten Grundlagenforschung aufgebaut. In Arbeitgemeinschaften werden spezielle Fragestellungen insbesondere der Versorgungsforschung bearbeitet – zum Beispiel Wirbelsäulenchirurgie, arthroskopische Chirurgie, Verletztenversorgung. Sie fördert wissenschaftliche Arbeiten durch Vergabe von öffentlich ausgeschriebenen Preisen und Forschungsstipendien. In Kommissionen und Ausschüssen werden fachbezogene, berufsständische und bildungsrelevante Fragestellungen (studentische Lehre, Weiterbildungsordnung) bearbeitet. Mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des Orthopäden/Unfallchirurgen zu sichern und zu optimieren. Das „Junge Forum der DGOU“, im Gesamtvorstand vertreten, setzt sich für die Interessen des studentischen Nachwuchses sowie der Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung zum Facharzt ein. Schwerpunktthemen sind hier die Weiterbildung zum Facharzt, Umfragen zur Erhebung der Situation der Weiterzubildenden und insbesondere der Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen über ein internetbasiertes Netzwerk. Desweiteren wird der studentische Nachwuchs durch Stipendien und Veranstaltungen gefördert.

  10. Wem würden Sie empfehlen, eine Fachärztin bzw. ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu werden?

    Ich würde der Kollegin/dem Kollegen empfehlen eine Fachärztin/ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu werden, die/der sich für dieses Fachgebiet mit seinen verschiedensten Möglichkeiten für seine spätere beruflicher Tätigkeit begeistern kann. Wichtig ist das Interesse an patientenbezogenen Tätigkeiten, auch notfallmäßig. Das beinhaltet vor allem die Wiederherstellung von Form und Funktion der Achsen- und Bewegungsorgane, die gezielte Behandlung von Schmerzen und Funktionsstörungen sowie die langfristige Begleitung des Patienten. Teamarbeit und erfolgreicher Einsatz von „Hand, Herz und Hirn“ sind Grundalgen chirurgischer Tätigkeit und deshalb in unserem Fach Voraussetzung für eine lebenslange belohnende Tätigkeit als Orthopäde und Unfallchirurg. Ob man ein Talent für und Freude an chirurgischen Fertigkeiten hat, wird man in den Famulaturen und im PJ bereits bemerkt haben.